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Muss die Bewegung radikaler in ihren Aktionsformen werden und von ihrer Strategie abweichen, Aufmerksamkeit zu erzeugen?

Sollte man riskieren, weniger Menschen auf die Straße zu bekommen, dafür aber deutlich kämpferischer? Was bringt es mit 100.000 Menschen zu demonstrieren, wenn die Regierung doch nicht handelt?

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@antifawitten
Im Prinzip steht die Klimagerechtigkeitsbewegung vor der selben Frage, oder?

@tommy @antifawitten Die Klimagerechtigkeitsbewegung hat Ende Gelände, Sand im Getriebe, XR, es gibt regelmäßig Kleingruppenaktionen und dauerhafte Besetzungen wie im Hambi oder Dannenröder Wald, wo es auch mal militant wird (z.B. brennen um den Hambi öfters mal Grundwasserpumpen von RWE). Würde schon sagen, dass das ungehorsamere Aktionsformen sind als die von der Seebrücke (nicht abwertend gemeint)

@bodems @antifawitten
ja, natürlich. Die Frage der Wirksamkeit steht aber im Raum.
Ist Seebrücke eigentlich eine weiße Orga?

@antifawitten

Das hab ich mich auch schon gefragt. Allgemein finde ich direkte Aktionen schon sehr gut, wie bspw beim dannenroeder Wald. Das hat den vorteil, dass "Erfolg" nicht nur politische Aufmerksamkeit sondern auch tatsaechlich praktisch iwas ist bspw eine verhinderte rodung.

Nur ist bzgl moria eine direkte Aktion schon schwieriger. Das einzige waere bei seenotrettung nicht auf die erlaubnis zu warten sondern das irgendwie zu umgehen. Bspw in dem man gar keinen hafen ansteuert sondern mit kleinen rettungsbooten in der nacht einen einsamen strand anfahren.

Oder die haefen ohne erlaubnis anzufahren.

Aber auch das ist bisschen schwierig, direkte aktion lebt ja von einer gewissen passivitaet, d.h. dass die staatsmacht z.b. passive blockadeobjekten entfernen muss. zumindest ist mein eindruck, dass das schon hohes mobi-potential hat.

Aber gegen eine radikalisierung um z.b. adbusting zu machen haette ich nichts einzuwaenden und faende es sehr begruessenswert. Wobei ich diese form der kommunikation toll finde, weil sie auf konservative menschen nicht so abgeschreckend wirkt wie "gewalt".

Gleichzeitig finde ich es immer wichtig sich anzugucken wo probleme in der gesellschaft eigentlich sind, die z.b. bzgl moria eine aktion verhindern - und da sehe ich rassismus, PEGIDA, AFD, die angst vor den rechten, die angst dass die AFD die waehler der CDU "wegnimmt" und dafuer sorgen, dass die CDU sich nach rechts richtet.

Weiterhin sehe ich die situation, dass die politische debatte lange nicht so rechts waere wenn leute sich sozial abgesichert sind, wenn die schere zwischen arm und reich nicht so gross waere. Gerade im Osten (ich habe Verwandte im Osten), ist das meiner ansicht nach ein grosses politisches problem, dass die gesellschaft in den fluechtlingen ein problem sieht aber das nur oberflaechlich analysiert hat.

Konkretes beispiel, was ich aus gespraechen mit verwandten aus dem osten so mitbekomme: Mein eindruck ist, dass die fluechtlinge sozial ausgegrenzt sind, daher nicht richtig integriert sind, daher nicht so leistungsfaehig sind bzw haeufiger auf der arbeit fehler machen, gleichzeitig wegen der sozialen ausgrenzung keine lust haben und sehr frustriert sind.

Das messen mit zweierlei mass ist auch so eine sache, bspw.: mir wird meine "faulheit" nicht angekreidet, fluechtlingen schon.

D.h. ich finde, die seebruecke sollte so vortraege machen wie "kapitalismus, kolonialismus und ungerechtigkeit sind das problem, nicht fluechtlinge". Leute wollen auf ihren wohlstand nicht verzichten, weil sie gar nicht verstanden haben dass ihr wohlstand auf dem ausnutzen von anderen leuten basiert.

Leute haben evtl. rational verstanden, dass das neue kaufen eines IPhones mit dem Abbau von Lithium in kongolesischen Mienen zu tun hat, aber *emotional* haben sie das noch nicht so verstanden, dass es deshalb irgendwie sinn macht eher ein gebrauchtes handy zu kaufen. Und gleichzeitig haben sie auch nicht verstanden, warum das keine abschliessende loesung ist.

Die leute haben den neokolonialen umgang der troika mit griechenland, in dem der sozialstaat gekuerzt wurde und griechenland ja im endeffekt doch nicht so wirklich positiv aus der krise gekommen ist, noch nicht im zusammenhang mit der corona-krise & dem anstieg der gefluechteten in verbindung gebracht.

Die leute haben nicht verstanden, dass die lebensqualitaet in moria direkt damit zusammenhaengt dass syriza, die linke regierung griechenlands zur zeit der troika-sparmassnahmen aufgrund diesem zwang politisch komplett gescheitert ist und fuer einen anstieg der rechten, abschottenden politik gesorgt hat.

speziell viele leute aus konservativen lagern haben das nicht verstanden.

D.h. ich faends schon sehr nice, wenn auch gerade in so einer stadt wie witten regelmaessig solche vortraege organisiert werden wuerden. Wo viele politische bewegungen in witten & umfeld dafuer gegenseitig werbung machen, sodass viele leute kommen.

Gut, jetzt in corona geht das schlecht, aber online-vortraege waren eine coole alternative. Muss man sich halt explizit darueber gedanken machen, wie man viele leute erreicht und nicht nur die eigene bubble.

evtl diese idee, von regelmaessigen, vielfaeltigen politisch-kritischen vortraegen als teil eines buendnisses organisieren und in diversen lokalzeitungen die von alten leuten gelesen werden werbung machen?


@tommy @bodems
@antifawitten


Ich sehe gerade, dass ihr das mit den vortraegen teilweise schon so bisschen macht, https://antifawitten.noblogs.org/antifa-cafe/ - aber mich wuerde es ehrlich gesagt schon bisschen wundern, wenn die zuhoehrerschaft ueber die linke bubble hinaus geht.

das ist zwar nicht verkehrt, aber ich vermisse die bildungsarbeit mit SPD, FDP und CDU waehlern als zielgruppe.

Gut, die kommen wahrscheinlich wegen der hufeisentheorie auch nicht zu vortraegen wo antifa drauf steht, weil "extremistisch". Apropo, so ein vortrag bzgl hufeisentheorie mit der CDU, SPD, und FDP als zielgruppe - und allgemein was die antifa so macht - waere sicher mal sehr cool.

@bodems @tommy
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