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Meine These zu und ist ja, dass die gesamte Novelle vor allem ein Versuch ist, das Internet so umzugestalten, dass es zu einem, - sagen wir mal - konservativerem Verständnis davon, wie Medien funktionieren, passt. Wir hören ja grade sehr oft "die haben das Internet nicht verstanden". Das halte ich für eine Fehleinschätzung. Die Leute, die zb Axel Voss selbiges vorwerfen haben sein Konzept von Medien, Urhebern und Konsumenten nicht verstanden.

Hier (floraluba.de/ein-telefonat-mit) hat jemand eine Stunde lang mit Axel Voss telefoniert und ich finde, dass das meine Vemutung bestätigt.
Es geht in der Novelle um die Festlegung der Vorstellung, dass Nutzer nie Urheber sondern immer Konsumenten sind, Urheber ist man nur, wenn man einen Verlag hat und Plattformen sollen Verlegern keine Konkurrenz machen. Letzteres ist wichtig, da Plattformen mit der Verbreitung von Nutzerinhalten quasi wie Verleger agieren und Nutzer damit zu Urhebern machen.

Es geht um die Festlegung eines Status Quo. Einer Konstuktion wie Medien- und Contentdistribution funktioniert, die nun auch im Netz gelten soll, nämlich dass Nutzer nie Urheber sondern immer Konsumenten sind und man nur Urheber ist, wenn man einen Verlag hat. Plattformen sollen Verlegern also keine Konkurrenz machen. Letzteres ist wichtig, da Plattformen mit der Verbreitung von Nutzerinhalten quasi wie Verleger agieren und Nutzer damit de facto auch zu Urhebern machen.

Es geht somit darum, den Verlagen die Hoheit über die Verwertung von medialen Inhalten zu bewahren. Der Zweck des oft übersehenen , dass Plattformen quasi pauschal Lizenzen abschließen sollen ist nicht, dass Verlage irgendwie Geld kassieren (auch wenn dieser nette Nebeneffekt sicher nicht schmerzt), sondern dass Plattformen eine Position und eine Aufgabe in der Medien-Struktur zugeteilt wird, die sich Verlage wünschen.

Aber, und deswegen ist der Protest so groß, das betrifft eben nicht nur die Plattformen, sondern auch ganz massiv die Nutzer*innen, die die Plattformen inzwischen schon lange nutzen, um selbst Urheber*innen zu sein, ohne von Gatekeeper-Verlagen abhängig zu sein. Auch wenn sie das so nicht klar sagen können: Sie spüren doch, was da passiert und wie hier die "neue" Medien-Struktur radikal weggeholzt wird, in der sie sich bewegen.

@jensscholz
Eher gehts um den Rückfall in den Status Quo von 1990. Als es noch nicht viel, viel, viel zu viele Kreative gab, Home-Recording, MP3-Downloads und eBooks kein Thema waren, Verlage und Labels Monopole hatten, das Radio den Sommerhit diktierte, das Kino den Blockbuster und die Zeitung die Wahrheit.

Zu viele Kreative wollen nicht verstehen, dass ihr Beruf nur noch zum Hobby taugt und sie ihre Position durch #Artikel11 #Artikel12 #Artikel13 weiter schwächen.

@sturmflut Es ist halt so, dass es diesen Status Quo durchaus immer noch gibt. Er ist aber nicht mehr alleinstehend. Daher eben meine Annahme, dass die Novelle vor allem die konkurrierenden Konstruktionen zurückdrängen soll.

@jensscholz
Für ein reines "zurückdrängen" geht die Reform halt IMO viel zu weit. Es werden wirklich bereits seit Jahren abgeschaffte Abhängigkeiten wieder neu eingeführt.

@sturmflut Es geht um nicht weniger als darum, das exklusive Medienverständnis der Zeit vor dem Internet auf das Internet zu pressen, ja.

@jensscholz Was it mit Fanfiction und deren Plattformen, wie zum Beispiel Fanfiction.net oder archiveofourown.org ? Da sind Konsumenten auch Urheber und Verlage bieten solche Plattformen nicht an. So was müßte dann nach Herrn Voss wohl dichtgemacht werden.

Und was ist wenn ich Google keine Lizenz erteilen will, oder Facebook? Was ist wenn ich das mit CC Lizenz oder einem vergleichbaren veröffentlichen will?

Das sind nur einige meiner Fragen zur Novelle.

@Cedara Ja genau. Das kommt in dem Verständnis von Medien, wie es hier manifestiert werden soll, halt nicht vor.
Siehe: jensscholz.com/index.php/2019/

@jensscholz die politischen Vorhaben der letzten Jahre haben ja sowieso gezeigt, dass man das Internet am liebsten zu einem Fernseh-ähnlichen Medium umstrukturieren möchte

@jensscholz besonders wenn dann vermutet wird, alle Urheber seien in irgendeiner Verwertungsgesellschaft.

@guntbert Ja, das ist ja die Grundannahme: Dass Du entweder Konsument oder Urheber bist und Urheber erkennst Du daran, dass sie über die etablierten Distributionskanäle (Verlage) verbreitet werden. Dass durch das Internet als direkter Verbreitungsweg Verlage als Gatekeeper ausgeschaltet wurden ist der Zustand, den man hier zurückdrehen will.

@guntbert Allerdings: Durch den Angriff auf Plattformen wird das nur bedingt gelingen. Was als nächstes passiert ist, dass dezentrale Kanäle viel schneller wichtiger werden und das ist lustigerweise was gutes ;).

@jensscholz irgendwie hab ich Probleme damit, zu glauben, dass Axel Voss, der Berichterstatter des EU-Parlaments zur Reform, mittwochs einfach mal ne Stunde Zeit hat und ne random Bloggerin mit Piratenparteilogo persönlich zurückruft.

@jensscholz das Umgestalten kann so nicht funktionieren, da dies nur auf nationaler Ebene geschieht und niemals internetweit passieren wird. Typen wie Axel Voss leben in der Vergangenheit und wollen alte Strukturen zementieren.

@jensscholz
Genau meine Meinung. Diejenigen, die das Netz durchkommerzialisieren und ihre Pfründe daraus sichern wollen sowie diejenige, die ihre Macht und Meinungshoheit durch Zensur und Überwachung erhalten wollen, wissen sehr genau was sie vorhaben und tun. Der Vorwurf, sie hätten keine Internetkompetenz, ist das falsche Schlachtfeld. Sie nutzen dies gegebenenfalls sogar selbst als Ausrede. Nach dem Motto: "Für uns ist das Neuland.".

@jensscholz vielleicht sollten wir alle mal back to the roots gehen und Handy, Tablet Twitter und Co. mal sein lassen und ne Pause einlegen.
Ich finde die Diskussion nicht mehr sachlich, sondern es eher von allen Seiten provoziert. Die alten Medien nehmen die Proteste sogut kaum war. Einzigalleine eine Lokale Zeitung bei uns hat ein ganz kleinen Artikel über das Thema gebracht.
Bin gespannt wieviele am 23.03 an der Demo teilnehmen und die alten Medien immer noch nichts berichten

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