Wer vorgibt, die Dinge zeigen zu können, wie sie eigentlich sind, gibt vor, die Dinge vereinzeln zu können. Das Nachdenken über Deutungsrahmen bringt die Erkenntnis, dass nicht die Dinge selbst gezeigt werden, sondern ihre Verknüpfung: was ist das gleiche, was dasselbe, was Ursache oder Wirkung, welcher Faktor ist entscheidend? Neutralität gibt es dabei nicht.

zeit.de/kultur/2018-09/framing

Entscheiden wir uns, über Chemnitz als eine "Hetzjagd an Ausländern" zu sprechen, oder reden wir von "rechtsradikalen Ausschreitungen", die mindestens ein Viertel der deutschen Bevölkerung zum Ziel haben? 

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Was hingegen völlig offenbleiben darf, ist das Wort "Integration". Denn im Kontext des hier verwendeten Framings steht es für eine Pflicht zur Assimilation an eine als homogen gedachte Gesellschaft. Diese Deutung von Integration ist in der deutschsprachigen Debatte fest etabliert. Ähnlich wie in der hart aber fair-Sendung wird dabei ein Deutungsrahmen der ethnischen Herkunft aktiviert.

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Ebenso wird durch die Frage, wie unsicher Deutschland würde, impliziert, dass es überhaupt unsicher werde. Das scheint, wenn man etwa die Ereignisse in Chemnitz betrachtet, plausibel. Doch für wen wird es unsicher? Für wen war es das vielleicht schon immer? Die Gewaltbereitschaft Rechtsextremer wird ausgeblendet, diejenige von Flüchtlingen mehr als nur impliziert.

zeit.de/kultur/2018-09/framing

Der Deutungsrahmen, den die hart aber fair-Sendung aktivierte, verbindet "Flüchtlinge" und "Kriminalität" zu einem Faktum und setzt voraus, dass beides zusammengehört. Darum seien die erwähnten "jungen Männer" der Grund für Sorge und Angst. Dabei werden Grund als Anlass und Grund als Ursache nicht unterschieden, die Deutung als Ursache also zumindest nahegelegt.

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Es ging da aber nur kurz um Informationen zu McCains Tod. Eigentlich ging es darum, wie Menschen es fanden, dass McCain tot war (Stoßseufzer, getarnt als Information). Und darum, dass große Egos damit prahlten, wann sie McCain getroffen hatten (Brustgetrommel, getarnt als Information). Und dass Bewunderer ihnen dafür auf die Schulter klopften (Schleimen, getarnt als Information). Ich schämte mich fremd und legte das Handy beiseite.

zeit.de/2018/37/twitter-leben-

Mir kommt Twitter eher vor wie ein Freibad im Hochsommer: Allen ist zu heiß. Alle müssen brüllen, um gehört zu werden. Die Tätowierten und Deformierten fallen auf, weil sie ungeschützt Hässliches von sich preisgeben. Die Blassen werden übersehen. Die Muskelprotze laufen breitbeinig über die Wiese. Und dann sind da noch die ganz großen Jungs: die, die grölend vom Zehn-Meter-Turm springen, wo wirklich alle sie sehen können.

zeit.de/2018/37/twitter-leben-

Die Gesellschaft ändert sich. Auf der einen Seite die etablierten Medien, auf der anderen Seite die Webzeitungen und Verlage, wo die anderen zu finden sind, die Kritiker der Hypermoral, des Islams, der Einwanderungspolitik. Immer mehr Leute, die ich kenne, informieren sich nur noch auf der einen oder anderen Seite dieser unsichtbaren Barrikade.

zeit.de/zeit-magazin/2018/37/h

Und was ich wirklich nicht mehr lesen kann, ist die These, dass alles Rechte zur Gewaltherrschaft tendiert, während alles Linke dem Schaumbad des Humanismus entsteigt, wie man leicht an den blutrünstigen Diktatoren Reagan, Churchill und Adenauer erkennen kann und an den Musterdemokratien von Stalin und Chávez. Sorry, dieses Ressentiment hat was Faschistisches und beleidigt die Intelligenz.

zeit.de/zeit-magazin/2018/37/h

Aretha Franklin sei eine Person gewesen, die er gut gekannt und die oft für ihn gearbeitet habe: "She worked for me on numerous occasions." Es war eine faszinierende Zurschaustellung von Stil- und Taktlosigkeit. Auch vor ihr musste sich Trump noch als Vorgesetzter aufspielen. Aber eins ist sicher: Wenn dieser Mann längst vergessen ist, wird man noch Aretha Franklins herrlichen Lebensschrei im Ohr haben. Solange man ihn hört, hat man nicht verloren.

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Noch ein Satz zum zurückgetretenen Nationalspieler: "Es war wichtig – ja ein Geschenk für die Debatte in Deutschland –, dass jemand, der so reich und bekannt ist und Fußball spielt, diesem Land Rassismus attestiert."

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Es fällt nun der feministische Begriff "Mansplaining" (herablassende Erklärungen eines Mannes gegenüber Frauen), der weiter konjugiert werden könne zu "Whitesplaining" oder "Germansplaining". "Das Besserwisserische vieler deutscher Männer ist unsexy. Alles muss tausendmal diskutiert werden. Männer hören nicht zu, sie wollen uns bekehren – sie labern uns voll mit ihrem superwichtigen Scheiß."

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Gut, der Klassiker sei "Kartoffel", im Trend sei der "Alman", türkisch für Deutscher. Interessant ist, dass die Autorin mit deutschem Pass die Nicht-Türkischstämmigen in ihrem Roman als "die Deutschen" bezeichnet. These: Vor drei Jahren wäre das für eine deutsch-türkische Autorin noch nicht opportun gewesen.

goo.gl/REyh5P

Mehrere Male bin ich in einen Club nicht reingekommen, weil der Türsteher eine "Südländer-Quote" einhalten musste, 15 Prozent maximal, sagte er, sonst würden sich die "normalen" Gäste unwohl fühlen. Ich wurde also wegen meines Aussehens abgewiesen – Sinnbild des Rassismus!

goo.gl/48EmQ4

Meine Vision ist der "Neue Deutsche Traum": eine Gesellschaft, in der wir das Grundgesetz wirklich leben. Sodass jeder die gleichen Chancen erhält, sich zu verwirklichen. Der Neue Deutsche Traum ist für mich das Ende von Benachteiligung, Groll und Missgunst in Deutschland. Er ist der Beginn von Verantwortung füreinander und die Rückbesinnung auf Anstand und Respekt, ganz unabhängig davon, wie viel Geld jemand hat und wo er herkommt.

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Das Umstellen der Uhren betrifft alle und schließt niemanden aus. Irgendwie stiftet das Gemeinsinn. Die Uhrzeit und die Jahreszeiten sind immerhin etwas, das wir gemeinsam haben, wer auch immer wir sind und was auch immer wir über die Welt denken. Wenn ich die Uhr umstelle, denke ich: "Alle tun das jetzt." Dieses Gefühl habe ich sonst nur noch an Silvester.

zeit.de/zeit-magazin/2018/35/h

Ich habe also für die Beibehaltung der Sommerzeit gestimmt. Die ist ein letztes Bollwerk gegen den Zerfall der Gesellschaft in Interessengruppen. Man müsste das groß feiern, statt es abzuschaffen.

zeit.de/zeit-magazin/2018/35/h

"Die Generation Y hält Einzug in die Schulen und ändert die Arbeit aller Beteiligten." Für die Kohorte der vor der Jahrtausendwende Geborenen käme Selbstverwirklichung vor Pflichterfüllung; zentral seien Partnerschaft, Familie und Freizeit.

zeit.de/2018/35/lehrerinnen-sc

Auch Bildungssenatorin Bogedan will ihren Vorstoß so verstanden wissen. Mediziner würden in einem Umfang krankschreiben, der sie "als Feministin" ärgere, so die Bremerin: "Wir haben lange dafür gekämpft, dass Schwangerschaft eben nicht als Krankheit betrachtet wird."

zeit.de/2018/35/lehrerinnen-sc

Boten sich mehrere Werke zur Auswahl an, habe ich mich stets für das populärere entschieden, immer der Devise folgend, alle miteinander ins Gespräch zu bringen. Deshalb Mozarts Zauberflöte statt Mozarts Don Giovanni.

zeit.de/2018/34/allgemeinwisse

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